Musikalische Grundschule

Zwischenbilanz Musikalische Grundschule

1. Reflexion der Prozessgestaltung

In das Schulentwicklungsprojekt Musikalische Grundschule startete unser Tandem im September 2019 mit großer Motivation und einem hohen Standard musikalischer Aktivitäten und Prozesse. Diese Fülle zeigt sich an den vielen Punkten auf den entwickelten Plakaten, die in der ersten Konferenz von uns erstellt wurden. Wir fühlten uns eigentlich schon als musikalische Grundschule mit einem hohen Maß an musikalischer Schulkultur. Das gehörte zu unserem Selbstverständnis an der Schule im Autal.

Mit viel Einsatz und Motivation wurde die erste Zukunftswerkstatt während des SET Tages im Februar 2020 durchgeführt.

Durch die Coronapandemie ab dem März 2020 kamen der Schulentwicklung MuGS andere relevantere Prozesse zuvor. Zum Einen entwickelten wir uns in Richtung Draußenschule mit regelmäßigen Draußentagen der Lerngruppen, um dem Virus und unserer Raumnot durch Anbau und Umbau der Schule zu entgehen. Diese Baustelle begann im Sommer 2021 und kostete uns dazu für das Schuljahr 2021/22 unseren Musikraum.

Dazu kam, dass wir es nach Lockdown und Homeschooling mit verhaltenskreativeren und unselbständigeren Schülern, also einem veränderten Schülerverhalten zu tun hatten. Wir haben uns dadurch auch im Hinblick auf die neue Autorität weiterbilden wollen und müssen.

Die Musikalische Grundschule hat im Zuge dessen an Aktualität und Präsenz an unserer Schule eingebüßt, natürlich auch durch das Singeverbot. Trotz dessen blieb das Projekt im Hinterkopf. Wir erprobten uns mehr in Klatsch- und Rhythmusspielen, Tänzen im Spoprtunterricht, musikalischen Auflockerungsübungen, musikalischen Signalen für die Übergänge und schafften transportable Instrumentengruppen für die Kohorten und Kalimbas für die Lerngruppen an. Während des Homeschoolings entstand ein Musikvideo für die Kinder zu Hause und es wurden Lieder und Rhythmusübungen in die Arbeitsmappen der Kinder gelegt. Wir waren betrübt über das Wegfallen unserer musikalischen Kultur und waren manchmal mit dem Gedanken beschäftigt, ob es sinnvoll ist weiterzumachen. Dazu kam, dass es während der Corona Lockdown Phasen ständig neue Vorgaben und Verordnungen gab, die zu Verunsicherungen bei uns allen und einer gewissen ungesunden Art von Ergebenheit forderte. Dann flog uns aber der Schulmusikpreis vom Hansewerk ins Haus und gab uns Aufwind. Wir hatten bei der Preisvergabe hohen Besuch und drehten einen Fim für die Jury, das Fernsehen war auch zu Gast. Nachdem es wieder möglich war zu singen, nahmen wir uns wieder vor singende Grundschule zu werden. Dies war wiederum mit Berührungsängsten verbunden, nicht nur für die Kinder. Aber als Anknüpfungspunkt zur Musik ist das Singen der Schlüssel und Anker, und wir machten wieder Fortschritte. Unser Prozess war und ist eine Wellenbewegung mit Höhen und Tiefen, Flauten und Stürmen. Wir trainierten stets kretativ zu bleiben. Gute Ideen aus der Lockdownzeit werden wir beibehalten, einiges wird auch aus der Zeit davor verloren gehen.

Dazu muss Folgendes ausgeführt werden. Unser Eindruck ist, dass das Aufgreifen neuer Ideen und die Weiterentwicklung von Schule an der Schule im Autal eine recht einfache Struktur hat. Ein Team mit einer neuen Idee übernimmt die Planung sowie Verantwortung und das Kollegium bildet motiviert und annehmend die Exekutive bei jedweder Idee. Das letztendliche Ziel bei MuGS ist jedoch, dass das Planungsteam die Struktur in Fach- oder Aufgabenteams abgibt. Dies war für uns eine ungewohnte Herausforderung und wir mussten lernen, die Kollegen anders mitzunehmen ohne zu überfrachten. Aber allein dadurch, dass Musik einen großen Stellenwert bei den Kolleginnen hat, wird dieser Prozess gelingen.

2. Reflexion der Planung und Umsetzung der musikalischen Aktivitäten

Die LEONIE Umfrage bei unserem 4.Jahrgang und bei den Kolleginnen im Frühjahr 2021 hat uns viel Aufschwung gegeben und die Weichen für die letztendliche Planung stellen lassen. Alle Kolleginnen wünschten sich wieder einen größeren Stellenwert an unserer Schule und mehr Musik im Unterricht, allen voran das gemeinsame Singen. Die Schüler, die das Singen und die vergangene Schulkultur noch aus dem 1.Jahrgang kannten und in Erinnerung hatten, meldeten auch einstimmig das fehlende Singen zurück.

Direkt nach dem Lockdown setzten wir uns verbissen daran, alles Alte sofort wieder aufleben zu lassen, was letztendlich und natürlich unmöglich war. Das Herunterbrechen des großen Ganzen auf den Anknüpfungspunkt Gesang war ein schmerzhafter aber auch sinnvoller Prozess.

Der Prozess während der MuGS Fortbildungskurse über die vergangenen 3 Jahre veränderte sich für uns zum Positiven nachdem dort ein Leitungswechsel in Bezug auf Schulentwicklung stattfand, mit neuer Klarheit und Stringenz. Zwischen und in den Lockdownphasen fühlten wir uns manchmal hilflos und überfordert damit, wenigstens kleine musikalische legale Bausteine zu finden. Fündig wurden wir oft erst in den Zwischenphasen unter den Kollegen mit der Frage „Was macht ihr, wenn wir nichts mehr dürfen?“

Unterstützung bekamen wir auch von den Eltern, die uns aus dem Fördertopf Geld für Ukulelen stifteten.

3. Darstellung der Wirkungen

In Bezug auf die Wirkung, die dieser Schulentwicklungsprozess für uns hat, fühlen wir uns wie ein Phönix, der neu und auch andersfarbig aus der Asche steigt. Vielleicht passt auch das Bild eines Baumes, der, oben abgetrennt, seine starken Wurzeln behalten hat, um genauso dicht belaubt eine andere Form anzunehmen. Das Schlimmste ist überstanden und es darf weitergehen. Unsere Aufgabe besteht nun darin, den Entwicklungsprozess vernünftig zu kanalisieren und zu sortieren, mit Optimierung und Vernetzung aber nicht Überfrachtung im Blick. Wir vermuten, dass dieses Projekt den zu Beginn beschriebenen und etablierten Arbeitsprozessen an unserer Schule eine neue Farbe geben wird. Wenn die Arbeitsteams in ihre Aufgaben gehen, wird es eine neue Entwicklung und Be- bzw. eine Entschleunigung geben. Unserem Tandem obliegt die Aufgabe, die einzelnen Stränge zu halten, ansprechbar zu sein und die Sichtbarkeit des Projekts zu unterstützen.

Die entscheidende Frage nach der Weiterführung des Projektes, wenn das Tandem aus jedweden Gründen nicht mehr steuert, hat uns als Tandem sehr umgetrieben. Wir gehen aber davon aus, dass durch die festigende Arbeit in den Teams die musikalische Grundschule ihre Wirkung beibehält.

Wir sind bereit weiter zu machen! Dies zeigt sich ganz aktuell daran, dass wir beim Gesamtelternabend Anfang Juni 2022 alle Eltern von den Stühlen bekamen zum gemeinsamen Singen. Das war sehr eindrücklich.

4. Ziele für die Fortsetzung der Musikalischen Grundschule

Wir möchten wieder singende Grundschule werden! Wir möchten wieder Singanlässe zu jeglicher Gelegenheit anbieten in den Fächern, im Schulleben und in den Jahreszeiten, dazu in der Dienstversammlung und nur für die Kolleginnen.

Wir möchten die gemeinsame Gesangskompetenz steigern und darüber alle auf den gleichen Wissensstand bringen (mit Einsingeübungen, Chorkarten …). Wir möchten musikalische Ideen und Lieder in alle Fächer bringen und auch in die Draußenschule.

Ziel ist dabei nicht die ursprüngliche Profilierung, sondern gezielte Optimierung ohne Überfrachtung. Dies wird dadurch gelingen, dass wir die Arbeit in Teams abgeben werden und uns als MuGS Tandem die Aufgabe geben zu begleiten, beraten und unser Team in 2 Jahren in die nächste Zertifizierungsphase zu bringen.